Fischer 1800 Coupe 8V
Eigenaufbau von Karl-Arno und Peter Fischer. Rallye-Einsatz 1975 bis 1976
Ein Beitrag von Andreas Köster auf Grundlage eines Interviews mit Peter Fischer. Die Bilder wurden von Peter Fischer exklusiv für lancia-beta.de zur Verfügung gestellt.
Prolog: Anfang 2004 nahm ich mit Peter Fischer aus Coburg Kontakt (der selber damals mit einer Fulvia an Rallyes teilnahm) auf. Sein Bruder Karl-Arno Fischer nahm in den siebziger Jahren mit Beta Coupes an Rallye-Läufen teil. Darunter auch ein Original Rallye-Werks-Coupe. Ich war begeistert und traf mich mit ihm in Coburg. Ein Mausklick auf die Bilder öffnet ein großes Bild.
Dieser Bericht handelt von einer Zeit, Mitte der siebziger Jahre, in denen Privat-Teams auf internationalen Rallye-Läufen noch Sieg-Chancen hatten. Selbst bei Weltmeisterschaften konnten Plätze im Mittelfeld erzielt werden, ohne dass man sechsstellige Summen aufbringen musste. Aber die Wende zeichnete sich in dieser Zeit schon ab: Lancia stellte mit dem Stratos als erster ein Serienfahrzeug als Feigenblatt zur Homologation vor, dass nur ein Ziel hatte: Als reine Fahrmaschine die Rivalen in Grund und Boden zu fahren. Ein Auftakt zur Materialschlacht. Kleinserien anderer Hersteller folgten dem Konzept Anfang der achtziger Jahre: Audi (Sport Quattro), Peugeot (205 Turbo 16), Ford (RS 200).
Doch nun zurück in die Zeit als die Welt noch in Ordnung war. Im Jahr 1975 kaufte sich Karl Arno Fischer aus Coburg ein Beta Coupe 1800 und beschloss damit an Rallye-Läufen teilzunehmen. Das Auto wurde erst kurz davor im März 1974 vorgestellt. Das 1800 Coupe war damals die stärkste Version dieser Baureihe. Auch Lancia selber erkannte das Potential für die Rallye-Teilnahme und bestritt, teilweise parallel mit dem Stratos, mehrere internationale Rennen.
Einer der ersten Einsätze bei der Bayerwald-Rallye in Kötzng 1975:
Das Coupe 1800 wurde mit viel Aufwand für den Rallye-Einsatz vorbereitet. Vieles in Eigen-Regie und aufwändige Modifikationen durch Spezial-Werkstätten. Der Überrollkäfig wurde von Heigo angepasst. Die Firma Heigo existiert heute noch (siehe Links auf lancia-beta.de) und bietet den Käfig nach wie vor an. Das Fischer-Coupe war der erste Auftrag für einen Beta bei Heigo. Sollte heute jemand einen Käfig bestellen, dann werden bei Heigo die Maße des Fischer-Coupes aus dem Archiv geholt. Bemerkung am Rande: Der Spezialist Heigo hatte den Spitznamen "RoBiKi". Eine Abkürzung für Rohrbieger von Kist. Kist ist übrigens 10 km von meiner Heimatstadt Würzburg entfernt. Der Motor wurde bei Leinberger in Weidensees auf 170 PS gesteigert. Der Kopf behielt, wie auch bei den ersten Werks-Rallye-Betas, seine acht Ventile. 16V-Motoren kamen beim Werk erst später zum Einsatz.
Die Drei-Städte-Rallye München-Wien-Budapest im Jahr 1975 (die ersten drei in schwarz/weiß) und im Jahr 1976 (ganz rechts in Farbe):
Schon in den siebziger Jahren wurde um zehntel Sekunden gekämpft. Die Autos wurden zwecks Gewichtsersparnis vom Unterbodenschutz befreit. Der Steinschlag einer Schotterpiste übertönte somit alle anderen Geräusche, einschließlich des nicht gerade leisen Motors. Als Co-Pilot musste man schon eine kräftige Stimmte haben, um die Anweisungen im Roadbook an den Fahrer weiterzugeben (Gabīs in den Siebzigern schon Headsets?). Bei vielen Details wurde Gewicht gespart. So auch beim Fischer-Coupe. Eine serienmäßige Batterie wiegt einiges. Konsequenz: Der Einbau einer Motorrad-Batterie. Schön und gut, wenn während der Etappe der Motor nicht ausgeht. Nach einem dritten Neustart der Maschine musste man aber, aufgrund der niedrigen Ampere-Zahl, bangen.
Im Jahr 1976 kam das Fischer-Coupe u.a. bei der Braun-Rallye in Marktheidenfeld zum Einsatz:
Der Sponsor Braun war übrigens auch der Hersteller der unvergessenen HiFi-Anlagen in den Siebziger und Anfang Achtziger Jahre. Nach vielen erfolgreichen Einsätzen in den Jahren 1975 und 1976 wurde ein Traum für Karl-Arno Fischer war:
Ein Original Werks-Rallye-Coupe.
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